Die Initiative „Wir Alle sind die Stadt“

Stell dir die Stadt Sindelfingen in 20 Jahren vor!

Die Stadt ist bundesweit bekannt für ein gelungenes architektonisches und ästhetisches Gesamtkonzept, das für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet ist. Wohnen, Arbeiten, Leben spielen sich in einem anregenden Umfeld ab, das geprägt ist von ansprechender Architektur, fortschrittlicher Technik, moderner Infrastruktur. Ein innerstädtischer Raum,  in dem sich die Menschen gerne aufhalten, leben, arbeiten und konsumieren.

Durch eine erweiterte Fußgängerzone fahren kleine E-Shuttle-Buse, die ältere, aber auch jüngere Menschen  schnell von einem Ort zum anderen bringen. E-Fahrräder und weitere E-Mobile dürfen die autofreie Zone ebenfalls auf in der Mitte ausgewiesenen Streifen benutzen, so dass man weiterhin selbstbestimmt die Innenstadt erfahren und erlaufen kann. Autos werden in diesem Szenario nicht nur nicht benötigt, sondern auch nicht mehr vermisst.

Attraktive, architektonisch interessante Neubauten, für die sich auch Touristen aus allen Teilen Europas interessieren, sind beim Postareal, Domo, in der Ziegelstraße, in der Oberen Vorstadt und in der Böblinger Straße  entstanden. Der Handel in der Innenstadt erlebt einen neuen Aufschwung. Die neue Innenstadt sieht sich nicht als Konkurrenz zum Breuninger Areal, sondern die Mitte Sindelfingens ist so attraktiv, dass die überregionalen Besucher des Breuningerlandes noch gerne einen Abstecher in die Innenstadt machen.

Das Besondere an der neuen „Seele“ Sindelfingens: Die Moderne leugnet nicht das Alte, sondern bezieht aus ihr Identität. Das Neue kennt seine Wurzeln, nimmt Bezug, erhält Orientierung. Alt- und Neustadt bilden eine ästhetische Einheit. In der Fortentwicklung ergänzen sich Alt und Jung und schließen sich nicht aus. In einer Gesellschaft, die sowohl altert als auch sich rasend technisch entwickelt, ist der faire Ausgleich der Interessen ein elementarer Bestandteil gelingender Zivilgesellschaft.

Nichts davon ist wahr

Leider droht das Gegenteil einzutreffen. Der Stadt fehlt es an einem integrativen, architektonischen Gesamtkonzept für die Zukunft. Investoren bekommen keinen gestalterischen Leitfaden an die Hand, welche Art von Architektur die neue Seele von Sindelfingen bilden soll. Jede frei werdende Liegenschaft wird als Einzelprojekt angesehen, wo Bauträger und Investoren bauen können, was sie sollen.

Dieses Flickwerk aber, so sind wir überzeugt, wird den Niedergang der Innenstadt nur weiter beschleunigen. Menschen und Handel siedeln sich nur dort an, wo es attraktiv, gemütlich, anregend ist. Seelenlose Fassaden wie die neue Volksbank oder der geplante Neubau in der Oberen Vorstadt sind Vorboten einer grässlichen städtebaulichen Zukunft Sindelfingens.

Wohl hat es eine Bürgerbeteiligung gegeben bei der Gestaltung des Postareals. Mit viel Aufwand an Zeit und Geld wurde 2015 ein Bürger-Workshop organisiert, der auch sehr gut angenommen und besucht war. Nur ergaben sich daraus keinerlei Konsequenzen. Bis heute ist nicht klar, was aus dem Postareal werden soll.

Keine Architekturwettbewerbe in Sindelfingen

Überall auf der Welt werden für solche zentralen, stadtbildprägenden Neubauten in der Innenstadt Architekturwettbewerbe ausgeschrieben – nur in Sindelfingen nicht. Auch für die geplanten Neubauten in der Ziegelstraße 5 und 7, also an zentraler, marktnaher Stelle in der Innenstadt,  gibt es keine Architekturwettbewerbe und auch keine gestalterischen Vorgaben an den Bauträger. Es sollen sozial verträgliche Wohnungen entstehen, mehr weiß man nicht. Architektur, Gesicht, Fassade, Infrastruktur: Nichts ist bekannt oder einer kritischen, öffentlichen Prüfung unterzogen.

So geht es nicht weiter

Dieses Gewurstel in Hinterzimmern droht nun auch bei anderen zentralen Liegenschaften in der Innenstadt, die zum Neubau anstehen. Wir haben die berechtigte Angst, dass dadurch die Zukunft Sindelfingens aufs Spiel gesetzt wird. Deshalb hat sich diese Initiative gegründet.

Wir sind ein offener Zusammenschluss von Bürgern, denen die Zukunft Sindelfingens am Herzen liegt. Wir sind davon überzeugt, dass nur ein architektonisches Gesamtkonzept die weitere Ausblutung der Innenstadt stoppen, den Handel wiederbeleben und die Stadt fit für die Herausforderungen der Zukunft machen kann.

In Form einer aktiven Zivilgesellschaft bringen wir eigene Ideen für eine positive Stadtentwicklung ein, möchten anregen, mit den Verantwortlichen in Gemeinderat und Stadtverwaltung ins Gespräch kommen und so die Zukunft Sindelfingens sichern.

Mach mit

Du teilst unsere Ansichten? Hast eigene Ideen? Dich drückt der Schuh bei einer städtebaulichen Maßnahme?

Dann sei Teil einer aktiven Zivilgesellschaft und nimm Kontakt mit uns auf.

kontakt@wir-alle-sind-die-stadt.de

 


Kurzvita der Gründungsmitglieder

Klaus Philippscheck,  ist ehemaliger Realschullehrer in Sindelfingen und seit vielen Jahren als Kulturschaffender (u.a. Kultur am Stift, Biennale, Kulturausschuss Gemeinderat) und Ortshistoriker in Sindelfingen aktiv.

Jimi Riegg ist Inhaber einer Softwarefirma zur Automatisierung von Produktkatlogen, Dozent und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule der Medien in Stuttgart, Fotokünstler, lebt seit über 15 Jahren in Sindelfingen.

Ruggero Scodanibbio ist in Macerata (Italien) geboren, Diplom an der Akademie für Kunst in Macerata, Studium der Architektur mit Abschluss Urbanist, wohnt in Sindelfingen und arbeitet mit einer Gruppe von Stuttgarter Landschaftsarchitekten zusammen.

Jürgen Stauch ist gebürtiger Sindelfinger, nach seiner Ausbildung arbeitete er lange Jahre als Bankberater bei der Volksbank Sindelfingen, anschließend Börsenmakler in Frankfurt. Seit seiner Rückkehr nach Sindelfingen engagiert er sich für eine positive Stadtentwicklung.

Host Weber ist ebenfalls gebürtiger Sindelfinger und ehemaliger Realschullehrer. Auch er ist in verschiedenen Gremien der Stadt Sindelfingen rund um das Thema Stadt und Heimat aktiv.