„Entfremdetes Leben“ in kalter Investoren-Architektur

Die Initiative „Wir-Alle-Sind-Die-Stadt“ wird ja nicht müde, darauf hinzuweisen, dass eine ästhetische und menschengerechte Architektur das zentrale Anliegen einer zeitgemäßen Stadtbauentwicklung sein muss, auch und gerade für die Innenstadt von Sindelfingen.

In der Frankfurter Rundschau vom 22.06.2018 schrieb der Architekt und Städteplaner Robert Kaltenbrunner, Leiter Bau- und Wohnungswesen am Bundesinstitut für  Bau-, Stadt- und Raumforschung BBSR,  einen Bericht mit dem Titel „Was unternimmt das Geld in der Stadt?“ über den Widerstreit zwischen öffentlichem Interesse und den privaten Begierden des Immobilien-Kapitalmarkts.

„Die Frage nach der Schaffung von Werten (und der Werterhaltung) wird offenkundig durch die oberflächlichen Konditionen des Konsums ersetzt. Denn im Vordergrund stehen plötzlich ‚Vermarktungsobjekte‚. Und das geht zulasten der Lebenswirklichkeit des durchschnittlichen Stadtbewohners. Architektur ist dabei kaum mehr als ein willkommener Bildlieferant für die schwunghafte Maschinerie des Investments“ so Robert Kaltenbrunner.

Und weiter: „Unter den Tisch fällt, dass mittels des Entwerfens, Planens und Bauens eben auch Räume für ein nicht entfremdetes Leben zu schaffen wären. Oder um es mit der Schriftstellerin Siri Hustvedt zu sagen: ‚Es gibt kein Leben ohne einen Grund und Boden, ohne das Gefühl für einen Raum, der nicht nur äußerlich, sondern innerlich ist – mentale Loci.‘ Die Sozialrendite von Häusern und Projekten, die gefühlten Werte: Sie scheint es in dieser Immobilienwelt nicht zu geben.“

Genau diese Problematik ist auch für Sindelfingen virulent, ja mit Händen zu greifen. Wir setzen uns entschieden dafür ein, dass das alte Postareal in der Hand der Stadt bleibt und diese dort als Bauherr oder zumindest mit konkreten Gestaltungsvorgaben selbst in Erscheinung tritt.

Der vollständige Artikel von Robert Kaltenbrunner in der Frankfurter Rundschau hier: Was unternimmt das Geld in der Stadt?

 

— Klaus Philippscheck, Jimi Riegg —

„Entfremdetes Leben“ in kalter Investoren-Architektur